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Morgans go Barock
Eine wiederentdeckte, schon fast vergessene Sparte der Reiterei nimmt immer mehr Platz in der Reitszene ein- die klassische Dressur nach den Vorbildern der alten Barock- und Renaissance-Meister.
Im Unterschied zur reinen Gebrauchsreiterei wie z.B. der Westernreitweise oder der sportlich orientierten Reiterei wie der Englisch-Reitweise ist bei der klassischen Dressur grundsätzlich eine vollständige Partnerschaft mit dem Pferd angestrebt, um vollste Harmonie und feinste Kommunikation zwischen Mensch und Pferd zu erreichen.
Immer mehr Morgan Horse Besitzer finden ihren Platz in dieser Sparte, da das sensible menschenbezogene Morgan Horse prädestiniert für diese Art der Reitkunst
zu sein scheint. Auch das Exterieur des Morgans macht ihm diese Arbeit leicht: seine natürliche Aufrichtung, sein kurzer, kräftiger Rücken und seine kräftige Hinterhand erleichtert ihm den Zugang zur Hohen Schule der Reiterei.
Den Anfang in der deutschen Morgan Horse Geschichte machte Susen Fischer, Glenmorgan Morgans, die bereits vor ca. fünfzehn Jahren die "Akademische Reitkunst" des dänischen Ausnahmereiters- und Ausbilders Bent Branderups für sich entdeckte. Nachdem sie ihren Morgan Hengst Glamorgan Damien ( Glamorgan Noah x Glamorgan Augusta ) zuerst in der englischen Dressur nach FN-Richtlinien ausbildete, dann der Westernszene einen Besuch abstattete und Damien schließlich für Distanzrennen trainierte, kam sie schließlich zur Barockreiterei. Nachdem sie einige Jahre von Bent Branderup persönlich unterrichtet wurde, legte sie schließlich die Prüfung zum "Ritter der Akademischen Reitkunst" ab, womit sie offiziell befähigt ist, Pferde und Reiter nach den Prinzipien der Akademischen Reitkunst auszubilden.
Mittlerweile ist Damien bis zur Piaffe/ Levade ausgebildet, die die höchste Ausbildungsstufe der Schulen am Boden sind.
Doch nicht nur Susen war begeistert von der Lehre Bent Branderups. Einige Zeit später fand auch Claudia Weiser mit ihrem Hengst JEM Bandit ( Vonavet Troller x KLN Ginger Snap) aus der Zucht von Eva Stock, heute Edelhof Morgans, den Weg zur Akademischen Reitkunst. Sie legte ebenfalls ihre Ritterprüfung ab und darf sich nun stolz in die Riege der Ausbilder einreihen. Bandit wird, nachdem er einige Jahre auch im Deckeinsatz war, heute als Lehrpferd für Claudias Schüler eingesetzt.
Doch nicht nur das Reiten des Pferdes ist Bestandteil der Ausbildung nach den klassischen Lehren. Auch nicht oder noch nicht gerittene Pferde werden schon lange, bevor sie zum ersten Mal einen Reiter tragen, durch gezielte Gymnastizierung und umfassendes Training durch die Bildung der entsprechenden Muskulatur auf die spätere Tätigkeit als Reitpferd vorbereitet. So wird die Zeit bis zum vollständigen Zahnwechsel effektiv genutzt.
Selbstverständlich gibt es auch hier viele Einsatzgebiete für das Morgan Horse, das mit seinem Lerneifer und seiner Leistungsbereitschaft immer offen für neue Ideen ist.
Manchmal jedoch entdeckt man bei diesen "Vorübungen" das wahre Talent seines Pferdes. Glenmorgan Final Hylight ( Glamorgan Damien x Glamorgan Faline) aka. Finn ist mittlerweile ein richtiger Spezialist in dieser Disziplin. Mit großem Eifer und viel Freude absolviert er selbst schwerste Lektionen wie Pirouetten, Seitengänge, Traversalen , erste Schritte in der Piaffe und Übungen der hohen Schule wie Spanischer Schritt, Pesade und Tèrre-À -Térre- alles vom Boden aus in der Freiheitsdressur, dem Langen Zügel, in der klassischen Handarbeit, der Longe und der Doppellonge.
Gerade letztere Hilfsmittel sind in der Pferdeausbildung nach barockem Vorbild unerlässlich, um das Pferd mit körpersprachlichen und stimmlichen Hilfen vertraut zu machen. Gut ausgebildete Barockpferde können nachgewiesen über 50 verschiedene Stimmkommandos unterscheiden- kein Wunder, dass unsere intelligenten und sensiblen Morgans sich so sehr für diese Ausbildung ohne Druck begeistern.
Im Laufe der Zeit wurde die in vergangenen Jahrhunderten so beliebte Arbeit der Pferde zwischen den Pilaren immer mehr eingestellt, da sie den entscheidenden Nachteil hatten, dem Vorwärtsdrang des Pferdes im Wege zu stehen. Man ging immer mehr zur einfachen Longe und zur klassischen Handarbeit über, bis im Jahr 1805 Frederigo Mazzuchelli die Arbeit mit dem Langen Zügel und der Doppellonge einführte, was von seinem Schüler Francois Baucher immer mehr verfeinert wurde.
Nach der Ausbildung der Remonte ( untrainiertes Pferd) in Takt, Schwung und Losgelassenheit und erstem Arbeiten im Geradeausrichten wird in der Campagneschule durch die Seitengänge das Gewicht des Pferdes immer mehr auf die Hinterhand gebracht, um eine erste, vorsichtige Versammlung zu erreichen. So wird die von Antoine de Pluvinel im 17. Jahrhundert eingeführte Lektion des Schulterhereins als Schlüssel zu allen Lektionen der Hohen Schulen angesehen, da sie dem Trainer die Kontrolle über das innere Hinterbein ermöglicht.
Die Vervollkommnung dieser Versammlung zeigt sich in der Hohen Schule, wo das Pferd voll trainiert und durchlässig alle Lektionen mit Schwerpunkt auf der Hinterhand ausführt und mit deren Kraft auch Schulsprünge durchführt.
Jetzt haben wir ein Pferd, das durch entsprechendes Training sich und seinen Bewegungsapparat gesund hält.
Gemäß dem Grundsatz: " Die Dressur ist für das Pferd da und nicht das Pferd für die Dressur" ( Zitat Bent Branderup), bietet die Arbeit vom Boden aus und an der Hand wunderbare Möglichkeiten für alte, kranke, verrittene oder Problempferde, die keine Reiter tragen wollen, dürfen oder können.
Diese Traditionen wurden unter anderem in den europäischen Hofreitschulen, wie dem Neindorff-Institut, Karlsruhe, der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg, der Königlich-Andalusichen Reitschule, Jerez, dem Cadre Noir, Saumur und natürlich der Spanischen Hofreitschule, Wien bewahrt und heute noch gelebt.
Hier war es auch, wo Astrid Toifl-Goster zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Art der Pferdeausbildung kam. Der Gedanke der Gewaltfreiheit und der Vollkommenheit im Miteinander ließ sie seitdem nicht mehr los, und so fand auch sie sich in der Barockreiterei wieder. Nachdem sie einige Jahre im Besitz eines Lippizaner-Mixes namens Mozart`s Tamino war, verlor sie letztes Jahr ihr Herz an einen jungen Morgan Hengst namens Glenmorgan Justin Nox ( Glenmorgan Nyx Surprise x Justin Chanting ) . Noch steht der Kleine in einer Gruppe Gleichaltriger, um seine Kindheit unbeschwert zu genießen. Damit Astrid bei der Ausbildung von Justin Nox auch alles richtig macht und von Anfang an nach den Prinzipien der Akademischen Reitkunst vorgehen kann, meldete sie sich im Herbst letzten Jahres zu einem Online-Reitkurs bei Bent Branderup an. Sie war so begeistert von diesem Kurs, dass sie auch mich sofort darauf hinwies, und schon seit dem Oktober letzten Jahres ergänze ich meine in mittlerweile vier Jahren Training bei Susen Fischer erworbenen Kenntnisse auf diesem Wege.
Gemäß dem Prinzip : "Der Weg ist das Ziel" hoffe ich auch in Zukunft noch auf viele wunderbare Momente mit meinem Finn, der durch diese Art der Ausbildung immer mehr zu einer Persönlichkeit wird und stetig an Ausdruck und Brillianz gewinnt- durch die bessere Beweglichkeit und das Lob "seines" Menschen bekommt das Pferd immer mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit.
Und schließlich hoffen nicht nur Susen, Claudia, Astrid und ich , einmal dort anzukommen, " wo zwei Körper machen, was zwei Geiste wollen. Das ist wahre Reitkunst." ( Zitat Bent Branderup).
Solltet auch Ihr Interesse an dieser Art der Ausbildung haben und Euren Reitalltag mit der Dressur vom Boden aus bereichern wollen, stehe ich Euch und Eurem Morgan gerne zur Verfügung.
Mehr Fotos von Finn und unserem Werdegang findet Ihr auf meiner Homepage Lallybroch Morgan Horse
Mit "morganlichen" Grüßen,
Eure Steffi Niggemeier
Germanmorganhorse.com
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